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Kredite fuer Chiparamba

Project date: July 2009

In Livingstone, bei den Victoria Faellen in Sambia lerne ich Anastasia kennen, komme mit ihr ins Gespraech. Sie fragt wie meine Route weiter geht und ich erklaere es ihr. „Hey, dann kommst Du ja bei all meinen Verwandten vorbei“ ruft sie und gibt mir sofort die Telefonnummern ihrer Eltern in Petauke, ihres kuenftigen Schwagers am Lilongwe Park und die ihres Onkels Josef in Chipata.

Einen Tag und 600 km spaeter bin ich in Chipata, stehe an der Tankstelle und rufe den voellig ueberaschten Onkel Josef an. Zehn Minuten spaeter sitzen wir an jener Tankstelle bei einem Kaffee und lernen uns kennen.

Er arbeitet fuer CODEP (Community Oriented Development Program). Eine ganz kleine private Organisation mit acht Mitarbeitern. Sie kuemmern sich um die, um die sich hier keine Organisation in Chipata kuemmert. Um die Menschen in den Doerfern, den Villages, rund um Chipata. Drei Schwerpunkte haben sie sich gesetzt. 1. AIDS-Aufklaerung, 2. Wasseerversorgung, 3. Anbau von Mais. Seit drei Jahren sind sie aktiv und haben in den 22 Doerfern die sie betreuen schon sehr viel verbessert, erklaert mir Josef.

Ein neues Arbeitsfeld will er aufmachen. „MicroCredits“ (Kleinstkredite) sagt er wird es heissen. Die Menschen draussen haben keinerlei Startkapital um irgendetwas aufzubauen. Nichts haben sie. Doch sie sind sehr willig und wollen z.B. einen Laden fuer 2.Hand Kleidung oder eine Schreinerei aufmachen. Doch Geld fuer Ware oder Werkzeug haben sie nicht. Dafuer sind dann diese Micro-Kredite. Im Schnitt brauch ein neues Geschaeft ca. 50 – 100 US Dollar Startkapital. Nach 6 Monaten soll es zurueckgezahlt sein, sagt er. Doch leider haben wir, also CODEP, keinerlei Kapital, was wir verleihen koennten. Wir leben auch mehr oder weniger von der Hand in den Mund. Andere Hilfsorganisationen unterstuetzen unsere Arbeit wenn wir uns darum bemuehen ... das ist unsere einzige Einkommensquelle. Oder eben private Spender.

Er laedt mich ein, am naechsten Tag mit ihm durch die Doerfer zu fahren und zu sehen, wie es wirklich da draussen ist. Fuenf Villages besuchen wir. Sobald wir mit dem Auto dort einfahren kommen Kinder und Erwachsene in der Dorfmitte zusammen. Begruessen uns oftmals mit einem kleinen Tanz und setzen sich im Kreis, um zu hoeren, was Josef neues zu berichten hat. Sie sind Josef unglaublich dankbar hoere ich aus ihren Worten, denn durch ihn und seinen Leuten wissen sie erst, was AIDS ist und wie man sich davor schuetzt, haben sie frisches Brunnenwasser im Dorf statt Dreckwasser aus dem Fluss, von dem sie regelmaessig krank geworden sind und koennen endlich mit dem Maisanbau etwas besser fuer sich selber sorgen.

Josef hat diesmal nichts mitgebracht ... nur mich ... und so stellt er mich in allen fuenf Doerfern als „THEO vor, der auf einer Honda um die Welt faehrt“. „Honda“ steht hier als Synonym fuer Motorrad und so muss ich mir diese kleine Ungenauigkeit wohl gefallen lassen. BMW ... kennt hier keiner. Nachdem der „Dorfvorsitzende“ ein kleines Gebet gesprochen hat, das ich wegen der Stammessprache nicht wirklich verstehe, frage ich sie, welche Probleme sie haben. Einige stehen auf, stellen sich in die Mitte des Kreises und erklaeren mir, was sie bedrueckt. Kunstduenger brauchen sie, sonst waechst der Mais nicht und die Ernte reicht nicht fuer das Essen eines ganzen Jahres. Hungern steht an, was anderes gibt es nicht, doch Kunstduenger ist auch hier enorm teuer. Das Jahreseinkommen hier ist durchschnittlich 250 US Dollar. Das reicht dafuer um eine Familie 3 Monate zu ernaehren. Zu wenig, viel zu wenig ... „Der Hunger frisst die Menschen auf“, sagt mir Mirriam Shawa.

Alternativ moechten ... nein muessen sie beginnen anders Geld zu verdienen. Mit Naehereinen, kleinen Warenlaeden, Schreinern, Gemueseanbau oder Fischhandel. Doch keiner kann damit beginnen, denn jedes Business brauch ein klein wenig Startkapital. Keiner hat etwas, alles lebt „von der Hand in den Mund“ in diesen Villages. Sie fragen mich, ob ich nichts tun koenne ... und ich verspreche Ihnen, den Menschen in Deutschland von ihnen und ihren Problemen zu berichten und sie zu fragen, ob sie ihnen ein kleines Startkapital bereit sind zu geben. Sie bedanken sich herzlich und bringen mir vor dem Abschlussgebet noch einen kleinen Tanz zum Dank fuer meine Bemuehungen dar.

Alle stehen sie noch zusammen und winken mir zu, als wir mit dem Auto das Dorf wieder verlassen. „Siehst Du, das mein ich“, sagt Josef, „sie sind alle hochmotiviert und sehr arbeitswillig ... doch der Schreiner kann nicht ohne Hammer und Zange beginnen, die Naeherin nicht ohne Maschine und der das kleine Geschaeft nicht ohne jede Ware ... Wir muessen sie anschieben, sobald wir Geld bekommen. Sie werden es uns mit Zinsen zurueckzahlen und dann koennen wir wieder mehr Geld an sie verleihen. So waechst das Kreditkapital staendig und immer mehr profitieren davon. Wir hatten einen Sponsor, der uns die benoetigten 15.000 USD zugesagt hat, doch gestern erst hat er uns abgesagt. Alle hatten schon Hoffnung gehabt und CODEP stand komplett in den Startloechern. Alles war schon organisiert. Die Menschen hier sind so enttaeuscht darueber.

Micro-Kredite bringen nicht nur mehr Einkommen und schaffen Arbeitsstellen, sie schaffen auch die Moeglichkeit, die Kinder zur Schule zu schicken. 70% der Erwachsenen Frauen hier koennen weder lesen noch schreiben. Ausserdem schaffen Micro-Kredite die Chance, sich einen Arzt leisten zu koennen, wenn es noetig ist. Das erste mal werden die Aermsten ueberhaupt einmal eine Chance haben, etwas zu entscheiden, etwas aufzubauen, statt taeglich von der Not, etwas zu essen zu bekommen, durch den Tag getrieben zu werden. Welch ein Fortschritt!“

Ja, wirklich eine gute Idee, diese Micro-Kredite, denke ich mir auf der Fahrt zurueck. Und ich ueberlege mir, ob ich hier mit den Spendengeldern helfen will. Die Organisation hat mit 8 Leuten (und 10 Weiteren im „Aufsichtsrat“) grade eine richtige Groesse. Josef und seine Mitarbeiter, die ich kennenlernen konnte, erscheinen mir absolut engagiert und vertauenswuerdig und die Menschen, die das Geld herbeisehnen, habe ich als hoechst motiviert und ebenso beduerftig erlebt.

Ja, hier stimmt eigentlich alles und ich sage Josef am Abend eine Unterstuetzung von 2.000 USD zu. Damit koennen schon mal 40 von den 480 geschaeftswilligen ein Anfang bereitet werden, eine Basis geschaffen und eine Menge Hoffnung auf bessere Zeiten in die Doerfer gebracht werden.

Josef ist mir sehr sehr dankbar und will sobald er das Geld hat mit der Kreditvergabe beginnen. Er sagt mir zu mir die Liste der ca. 40 „Kreditnehmer“ zuzusenden und mich auch nach 2 Monaten darueber zu informieren, wie die „Geschaefte so laufen.“ Ausserdem erklaert er mir den genauen Prozess und die Kriterien nach denen die Kredite vergeben werden. Alles gefaellt mir, alles ist logisch, alles passt.

Am meisten gefaellt mir, das Josef und seine Leute die Kreditnehmer schulen wird, damit das Geld seinen Zweck auch nicht verfehlt. Bevor sie den Kredit bekommen werden sie darin geschult, wie Kredite funktionieren, welche Verantwortung sie dem Dorf gegenueber haben, wie Buchhaltung und Verwaltung funktioniert und auch Marketing wird gelehrt. Jeder Kreditnehmer hat seinen eigenen kleinen Businessplan zu entwickelt bevor er das Geld bekommt. Alles erscheint mir unglaublich professionell.

Ich verspreche Josef noch etwas. Ueber die 2000 USD hinaus werde ich von diesem Projekt nach Hause berichten und nachfragen, wer noch einen oder zwei oder mehr Menschen unterstuetzen will bei dem Aufbau einer neuen Zukunft und das nur mit 50 USD pro Person fuer ein neues „Business“. Ja, und das moechte ich hiermit machen. Wenn ihr die Menschen z.B. in Chiparamba Village unterstuetzen wollt, dann schreibt doch bitte auf Eure Ueberweisung auf das Spendenkonto (BLZ 324 700 77, Kto. Nr. 143 3333 03) das Stichwort „Sambia-Kredit“ und ich werde es CODEP zukommen lassen.

Das Geld bekommt zum Beispiel - Yvonne Inonge (Bild 1) fuer den Aufbau ihres 2.Hand Kleiderladens oder - Ngoza Mwale (Bild 2) fuer den Beginn ihrer Naeherei oder - Tisate Chulu (Bild 3) fuer die Anlage eines Gemuesegartens und –verkaufs oder auch - Chindamba Zulu (Bild 4) fuer den Kauf von Werkzeugen fuer seine Schreinerei oder - Stephen Sakala (Bild 5) fuer den Aufbau eines kleinen Handelsgeschaefts mit Fischen.

Bild 6 zeigt alle „Gruendungswilligen“ aus dem Dorf und Bild 7 gibt einen Eindruck davon wie ein 2.Hand Laden in den Doerfern aussehen kann ... ja, und Bild 8 ... das ist Josef und seine Frau Rosemarie, die mir all das gezeigt haben und fuer CODEP arbeiten.

Ich wuerde mich fuer die vielen Menschen, die ich in den Doerfern kennengelernt habe, unglaublich freuen, wenn durch Eure weitere Spenden noch moeglichst vielen von Ihnen die Chance auf eine neue Zukunft geboten werden kann. Mit 50 EUR gibt es schon eine neue Existenz und weniger Hunger in den Doerfern rund um Chipata in Sambia.

Euer Theo


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