KM-Stand: 235317

ProjekteVietnam

Click to donate

Hauskauf in Danang

Project date: March 2008

East meets West heisst die Organisation, die mich bei meinem neuen Vorhaben unterstuetzt. Es soll der Kauf eines Hauses sein fuer eine der aermsten Familien in Zentralvietnam. Ein solches Compassion Home ist aus richtigem Stein und Beton, hat ein Blechdach, 48qm, 2 Raeume, Kochecke und Aussentoilette und kostet ca. 3.000 USD.

Mein Job ist es nun, zu entscheiden, wer das Haus bekommen soll. Nicht einfach so eine Aufgabe. Schon gar nicht, wenn man alle Kandidaten und deren Schicksale persoenlich kennenlernen darf.

Einen ganzen Tag begleite ich Linh, den Manager von EastmeetsWest und seine Officials von der Gemeinde auf die Reise durch die Armut Vietnams. Vier Familien suchen wir auf, um zu sehen, ob sie fuer ein solches Haus in Frage kommen.

Ich will nur von einer Familie berichten, .. und zwar von der, der wir das Haus kaufen wollen. Nguyen Dinh Bo heisst der 41 jaehrige Hausherr. Hausherr? Nein, eigentlich nicht. Sein Haus wurde im Oktober 2006 von einem Wirbelsturm mitgenommen, ja, einfach mitgenommen. Es war nach dem Sturm einfach weg... sagt er. Sicher, es waren nur Bretter- und Bambuswaende, doch es war ihr zuhause. Das ihm, seiner 42-jaehrigen Frau und seinen acht und zwoelf Jahre alten Kindern genug Schutz gegeben hat. Zumindest in der Trockenzeit. In den Regenmonaten wurde das Haus oft geflutet und sie sind fuer die Zeit zu ihrer Tante nebenan ins Steinhaus gezogen. Sie hat uns nie gern aufgenommen und auch heute leben wir hier, fuehlen uns staendig ungebeten. Es ist ja auch kein Platz hier fuer alle. Wir sind sechs hier und haben zwei Betten.

Fuer einen Wiederaufbau gibt es kein Geld. Fast alles wird benoetigt um Heilkraeuter zu kaufen.Seine Frau leidet an einer schweren Leberkrankheit. Das Organ macht seinen Job kaum noch. Ihr Bauch ist an der rechten Seite fussballgross angeschwollen, ihre Haut ist gelb, da das Blut nicht ausreichend gereinigt wird. Richtige medizinische Versorgung waere dringend erforderlich, doch das Geld ... es reicht nur fuer die Kraeuter ... Eigentlich sollte sie schon seit drei Jahren tot sein, meint der Arzt , sagt uns Dinh Bo, als seine Frau kurz herausgegangen war.

Seit vier Jahren ist sie krank. Seit vier Jahren ist dadurch auch zu wenig Geld fuer das Essen da. Die 1.500 qm Land geben nicht genug her. Mindestens 4.000 qm sind erforderlich fuer eine Familie dieser Groesse. Dinh Bo, ist schwaechlich, ist unterernaehrt. Er musste vor einem Jahr aufhoeren auf den Reisfeldern zu arbeiten, da seine Wirbelsaeule das nicht mehr mitgemacht hat. Knoechern wirkt er, ebenso wie Lehau, seine zwoelfjaehrrige Tochter, die neben mir steht. Sie kann sich schlecht konzentrieren und in der Schule nur noch schwer folgen, da es ihr an guter Ernaehrung mangelt und sie der Stress mit der Tante hier im Haus sehr mitnimmt. Die Schule frisst den anderen grossen Teil des wenigen Geldes. 20 EUR im Jahr kostet die Schule ... immens viel, doch auf die Ausbildung ihrer Kinder wollen sie beide nicht verzichten ... wenn sich Lehau doch nur besser konzentrieren koennte, sie soll es doch besser machen als wir wirft seine Frau ein und seufzt.

Linh stellt seine Fragen ... Wie lange braucht ihr zum Wasserholen? Wie oft am Tag? Wieviel Geld gebt ihr im Monat aus? Wieviel Geld gibt Euer Land her? Wann sind die Kinder geboren? ... Kaum eine dieser Fragen kann sofort beantwortet werden. Das Geburtsdatum der Kinder und selbst das eigene wird nicht gewusst und so aus dem verlangten Familienbuch abgeschrieben. Muehsam ist es, Antworten zu bekommen. Die Bildung ist erschreckend gering auf dem Land.

Fuer seinen Bericht benoetigt Linh noch ein paar Fotos. Wir gehen zusammen zu der Stelle, wo ihre Huette bis 2006 gestanden hat. Ein loses Steinfundament, ein Bett, ein paar Tonkruege sind noch zu sehen. Die Familie stellt sich hinein ins Haus ... Linh und ich fotografieren, bezeugen das Elend. Er fuer seine Organisation, ich fuer die Spender von World-Tourer.de .

Als ich zum Fotografieren in die Knie gehe, drueckt etwas an meinem Gesaess. Ach ja, die Geldboerse. Sie ist dick, hab ich doch heute morgen noch 3 Millionen Dong fuer meine Weiterreise aus dem Geldautomaten gezogen. Eine Menge Papier, das da drueckt ... oder ist es das schlechte Gewissen. Ja, angesichts dieses Ungleichgewichts ... dieser Ungerechtigkeit muss es sich wohl melden. Bin noch nicht so abgestumpft ... muss dafuer wohl noch ein wenig weiter fahren, mehr sehen.

Drei Mio. Dong sind 120 EUR. Das ist genug, um diese Familie zwei Jahre (!) mit Reis zu versorgen. Deren Kochecke ist leer, Reis fuer heute gibts nicht mehr, der ist schon gegessen ... und wir haben 14 Uhr. Der Tag ist noch lang. Es ist schrecklich und aufruettelnd, wenn Armut ihr haesslich konkretes Gesicht zeigt. Irgendwie... kann ich nicht anders... und druecke ihr, ohne das die Tante es sieht, 500.000 Dong in die von der Krankheit gelbgefaerbte Hand ... Es ind fast 5 Monatsgehaelter... und doch viel, viel zu wenig.

Ich bin so erleichtert ... und damit Euch Spendern so dankbar, dass ich durch den Kauf des Compassion Homes doch noch viel mehr hier ausrichten kann...

Ich habe noch weitere Familien besucht. Diese leben in vergleichbarer Armut, doch sie haben immerhin ein Haus und einer aus der Familie kann etwas arbeiten. Ich habe ich mich fuer dieses Projekt hier, fuer Nguyen Dinh Bo, entschieden, da hier ein richtiges zuhause fehlt, aus eigener Kraft nichts mehr geschaffen werden kann und die Kinder in absehbarer Zeit als Halbwaise ein eigenes Dach fuer ihre Zukunft benoetigen.

Heute morgen rief mich Linh an. Er hat von seiner Zentrale in den USA noch Geldmittel fuer die Haeuser fuer die beiden andern Familien zugesagt bekommen... ein schoener Tag, heute...

Der Hausbau wird ca. 3-4 Monate in Anspruch nehmen. Im Anschluss daran wird seitens der Organisation ein vollstaendiger Bericht inkl. Fotodokumentation als Nachweis gestellt. Den werde ich Euch dann gerne zeigen.

Fuer alle die selber noch in ein weiteres Haus hier in Vietnam investieren moechten ... die international operierende Organisation mit der wir zusammengearbeitet haben und mir als sehr serioes erschien ist

East meets West foundation Mr. Nguyen Van Linh Mehr unter www.eastmeetswest.org

Ein weiteres Schicksal einer der besuchten Familien ging mir besonders nahe. Unter meinen Emotionals und dort unter der Ueberschrifft Splitter berichte ich davon....


« Zurück zu Projekte