AIDS - hautnah!
Project date: February 2008
Mittlerweile bin ich in Thailand angekommen. Von einem für mich Besonderen Ereignis moechte ich Euch berichten … von Wat Prabhat Namphu.
AIDS und seine Schrecken kannte ich so wie viele Europäer. Aus Statistiken, von Bildern in Illustrierten, aus „Philadelphia“ und vielleicht noch im Rahmen von den weniger werdenden TV-Berichten. Doch wirklichen Kontakt … direkten und persönlichen Kontakt mit dieser Seuche hatte ich bislang noch nicht. Bislang.
Aber …. ich mache diese Reise ja, um zu erfahren. Ich will mich auch auf so etwas einlassen, will fuer mich ein neues Spielfeld betreten, eines, dessen Regeln ich noch nicht genau kenne, noch nicht genau weiss, wo die Gefahren liegen und wie man /font>
Wat Prahbat Namphu ist ein solches Spielfeld. Ein Tempel ca. 170 km nördlich von Bangkok, nahe der Stadt Lop Buri. Doch es ist nicht nur Tempel, auch Zufluchtstätte für ca. hundert AIDS Kranke Thais. Kein Krankenhaus, nein, es ist ein Ort, an dem sie sich in Frieden für die restliche, kurze Zeit, die ihnen noch verbleibt, einfinden. Ein Hospiz.
Drei Stunden nachdem ich mich aus dem Getümmel und Gewimmel Bangkoks mit der BMW herausgeschält habe, fahre ich in Lop Buri ein. Nichts Besonderes, was die Stadt zu bieten hat und wenn selbst die Leuchtreklamen der Hotels in Thai geschrieben sind –und nicht mehr in Englisch- … spätestens dann ist klar: Kein wirklicher Ort für Touristen. Aber gut, deshalb bin ich auch nicht hier. Ankunft 5 p.m., ich nehme das erstbeste Hotel, Kakerlaken sind im Preis inbegriffen. Hier treffe ich übrigens auch meine Rekord-Kakerlake bisher auf dieser Reise. Sieben cm … und das ohne Fühler. Ist schon ganz ansehnlich und macht enorm schnell wach, wenn Sie das erste ist, was die sich öffnenden Augen ans Hirn melden. Ich schubse sie von meiner Bettdecke, sie rennt ins Badezimmer … und ich wechsele das Hotel.
Am nächsten morgen nehme ich ein paar Feldwege nach Wat Prahbat Namphu. Die Landschaft … wie in Deutschland. Nur die Palmen passen nicht so recht ins heimatliche Bild. Der Schrankenwärter am Tor des Tempels hebt den rotweissen Balken an und lässt mich ohne das ich anhalten muss in das riesige Tempelgelände einfahren. Na, das ging ja einfach …. scheinbar lassen die hier jeden rein.
Andenkenbuden, Geldautomaten, kleiner Supermarkt, gepflegter Park … Das sieht weder aus, wie eine Tempelanlage noch wie ein Hospiz, eher wie Disney Land. Jedenfalls, nicht so wie ich mir ein Hospiz vorgestellt habe. Nun ja. Ich parke mein Motorrad, steige ab, ziehe mir den Helm vom Kopf, drehe mich um und blicke direkt in ein etwas fleckiges, etwas aufgedunsenes männliches Gesicht in dem sich langsam die kleinen braunen Augen hin und her bewegen um abwechselnd rechts und links an mir vorbeizuschauen, so als wären sie von irgendwelchen Drogen oder Medikamenten ihrer natürlichen Geschwindigkeit und Ausrichtung gestört worden.
„Was zum Teufel machst Du hier?“ werde ich in unfreundlichen Worten, jedoch freundlichem Ton begrüßt. Emm … ich bin ein wenig perplex und muss doch erst einmal lachen … Ich reisse mich zusammen und erkläre, dass ich hier zu Besuch bin und als Volunteer einige Tage aushelfen möchte. „Come with me“ sagt er, läuft los zu seiner kleinen Bude, greift sich ein Megafon und und signalisiert mir mitzukommen. Ein Megafon? Nur für mich? Nun gut, meine Ohren sehen vielleicht etwas klein aus … doch das halte ich für übertrieben. Frage aber nicht weiter nach. Tawatchai heisst mein Begleiter und wie er mir später erzählt, hat er die filmreife Begrüssung „Was zum Teufel, machst Du hier?“ tatsächlich aus amerikanischen Filmen im Fernsehen abgeschaut und hat das für sehr höflich gehalten. Ich kläre ihn auf. Er bedankt sich und will die Begrüssungsformel dann doch nochmal überarbeiten.
In der von Aushilfskräften besetzten Administration erhalte ich ein Merkblatt für Volonteers. Patienten waschen, massieren, füttern, Windeln wechseln, Medikamente verabreichen etc. „Traust Du Dir das zu?“ werde ich in 25%igem Englisch gefragt. „Ja, kein Problem“ meine leichtfertige Antwort und wir gehen in den Krankensaal. Sauber und hygienisch wirkt alles nur der Hund und die beiden Katzen stören mein westliches Verständnis von Hygiene. Dreißig Patienten im letzten Stadium ihrer Krankheit liegen hier. Ich finde sie eingerollt, lethargisch, schlafend, siechend, starrend … und über allem … irgendwie abwartend… ja, WARTEN ist hier irgendwie die Überschrift. Planlosigkeit, Zukunftslosigkeit ist spürbar. „Wartehalle des Todes“ kommt mir in den Sinn. Keine Sorge, jeder kommt dran. Wir schliessen nicht. Der Tod ist immer im Dienst. Macht Euch keine Sorgen.
Und ich mitten darin. Sicher, ich habe hier als einziger keine Wartemarke und ich werde auch nicht aufgerufen, wenn ich mich vorsichtig verhalte … dennoch, so nah und so intensiv war ich noch nie vom Tod umgeben. Fühle mich unwohl, weiss mich nicht recht zu verhalten. Eine „Einweisung“ gibts hier nicht. Ich weiss, einige von ihnen sind schwere Tuberkulosefälle. Ein Patient schlufft auf mich zu. Lacht mich schüchtern an, reicht mir seine verschwitzte von blauen Flecken übersähte Hand. Ich grüße auf thailändisch zurück, falte die Hände und verbeuge mich im Ansatz … nur um ihn nicht anfassen zu müssen. Feigling.
Erleichtert geht es wieder an die frische Luft. Im nächsten Gebäude stehen vier auf Hochglanz polierte Verbrennungsöfen. „Vier? Ja wieviel wird denn hier gestorben“, frage ich entsetzt. „Ach“ … stöhnt Tawatchai, „Es wurden zuviele angeschafft vor acht Jahren. Damals starben jeden Tag vier bis sechs, da war hier richtig Betrieb. Doch als vor sechs Jahren endlich die Regierung ein Einsehen hatte und uns Medikamente zugänglich gemacht hat … seit dem sterben hier nur noch ein oder zwei in der Woche.“
Ich sehe, wie sich ein zur Frau verkleideter oder gar umoperierter Mann, ein sogenannter Ladyboy, grade im spiegelnden Aluminium eines Verbrennungsofens die fleckigen Karzinome aus dem Gesicht schminkt. Ein Ofen, den der Hersteller mit einem grossen Aufdruck versehen hat: „Technologie für Morgen“ steht darauf. Welch Ironie auf einer solchen Maschine und welch bizarres Bild mit dem schminkenden Ladyboy darunter.
Doch … moment mal … irgendwas stimmt mit dem Gedanken nicht… mir dämmert was es ist. Nichts ist hier ironisch, nichts ist hier bizarr. Nein, ich habe nur noch nicht begriffen… Noch nicht begriffen, wie sehr hier der Tod zum Leben gehört. Ich bin es, der den Tod als Feind des Lebens sieht. Ich bin es, der vor den Utensilien des Todes ehrfürchtig die Augen senkt und furchtsam das Krematorium verlässt. Ich, der Gesunde, während sich der Ladyboy beginnt Lippenstift aufzutragen und sich immer mehr zu gefallen. Es dämmert mir, ich erkenne … und so werden sie gelernt, die Spielregeln auf dem neu betretenen Spielfeld. Wollte ich es nicht so?
Eine besondere Verbundenheit zum Tod lerne ich bei Anchali kennen. 35 Jahre, überall dunkle Flecken, ein paar offene Wunden an Armen und Beinen. Sie liegt im Bett, trägt, wie fast alle hier eine Windel. Anchali hab ich in den fünf Tagen meines Besuches nur einmal sprechen gehört und das in einem für sie, wie für mich bewegenden Moment. Sie ist schon lange hier. Zusammen mit ihrem Mann. Beide positiv. Innerhalb von nur drei Monaten starb ihr Mann. Etwas später lernt sie Banyat kennen. Ein weiterer Patient hier in der Wartehalle. Ein sehr glückliches Paar, so erzählt man mir, unzertrennlich die beiden. Doch auch er starb nach weniger als vier Monaten. Das war zuviel für sie, sie wollte nicht mehr, wollte nicht mehr verlieren, wollte nicht mehr abwarten, nicht alleine und kletterte auf das Dach des Tempels. Der Suizidversuch hinterließ Spuren. Ihre Hüften sind beide gebrochen, sie kann nicht mehr laufen, ihr vormals hübsches Gesicht … entstellt, ihr Hirn … arbeitet nur noch auf halber Kraft, wenn überhaupt.
Ich bekomme gesagt, wo ihre Lieblingsplätze sind. Sie hat einen festen Spazierweg und so schiebe ich sie im Rollstuhl durch die Tempelanlage. Zuerst ein Saft, dann fahre ich Sie zu einer grossen goldenen Buddhafigur. Ich reiche ihr drei brennende Räucherstäbchen, die sie in ihren zum Gebet gefalteten Händen hält. Nach einigen Minuten der Andacht bringe ich sie weiter zum „Life Museum“. Dort sind fünfzehn Leichen ausgestellt. Entkernt und aufgefüllt mit Formalin stehen sie dort nackig und senkrecht von Eisengestängen gehalten. Haare, Augen, Zähne, Geschlechtsteile, Tätowierungen … alles gut erhalten und sichtbar. (s. Foto)
Anchali deutet mir an, dass ich sie vor die Nr. 9 schieben und dort stehen lassen solle. Sie beginnt zu reden, thailändisch, manchmal flüstert sie, dann wieder laut, ja, und ab und zu lacht sie. Das erste mal, das ich ihre Stimme höre. Ich versteh nicht ganz. Marco, ein anderer Volonteer läuft an mir vorbei … deutet auf Präperat Nr. 9 und sagt nur kurz „Banyat, war ihr Freund“. Ich muss für einen Moment die Augen schliessen, höre mich schlucken, höre Anchali kichern und lerne auch dieses Lektion, die mir erneut zeigt, wie eng doch der Tod neben dem Leben steht… oder vielleicht sogar eins sind?
Ich bin wieder zurück im „Center of Hope“. Einige Patienten erblicken mich, wissen, ich bin Volonteer und wissen, dass Volonteere die gebeutelten Körper massieren sollen. Zwei von ihnen deuten sogleich auf ihre von Hautkrebs bereits dunkel gefleckten und schmerzenden Arme und Beine. Die Haut… meist ist sie faltig und schlaff und deutet an, wieviel Muskeln sie in gesunden Tagen umschlossen hat und wie wenig noch übrig ist davon. Mager sind sie.
Ich quetsche mich in Gummihandschuhe. Größe „M“ und dennoch sind sie viel zu klein. Da Thailänder kleinere Hände haben als die hochgewachsenen Europäer, besteht auch kein Bedarf nach anderen Größen. Also gut, muss auch so gehen. Hoffe die Dinger halten. Mit Mundschutz und etwas Nivea Creme bewaffnet nähere ich mich dem Körper. Ich weiss, es kann nichts passieren, wenn ich vorsichtig bin. Dennoch, ich bin nervös. Sehe eine offene, leicht blutverschmierte Wunde, der Patient hustet mir entgegen. Ruhig bleiben, es ist nicht gefährlich. Mach Deinen Job…
Ich beginne zu massieren, was noch da ist. Keine Ahnung wie fest. Ich versuche, den immergleichen lethargischen Gesichtszügen des Patienten zu entnehmen, was angenehm ist. Es gelingt mir nicht. Auch Fragen helfen nur bedingt weiter… Ich massiere tapfer weiter.
Tapfer? Manch einer wird sagen, „Was stellt der sich denn so an?“ Doch für einen eben so behütet Aufgewachsenen ist der erste so intensive Kontakt mit einem AIDS Kranken noch stark gewöhnungsbedürftig. Ja, ich muss mich gewöhnen … an den sterilen Geruch, die fleckigen Karzinome, die blutenden Wunden, die ausgemergelten Körper, die oft schon toten Blicke, die schuppigen Häute, das gelbe Weiss in den Augen, das blutige Zahnfleisch und vor allem an die vermeindliche oder tatsächliche Gefahr die von alle dem ausgeht.
Am dritten Tag meiner Tätigkeit fällt mir alles schon viel leichter. Ich kontrolliere nicht mehr im Zehnsekundentakt, ob meine Handschuhe noch dicht sind, wage mich auch daran Körper mit Tuberkulose zu behandeln, gebe die Hand und umarme die Wartenden auch ohne Handschuhe, nehme einen Hustenanfall des Patienten beim Füttern ohne Panik hin … Doch erst am vierten Tag spüre ich, wie die sich schleichende Angst so langsam wieder anderen Emotionen ihre dominante Position in der inneren Manege der Gefühle überlässt. Ich finde sie wieder … die Freude und Genugtuung, helfen zu können. Die Körper bekommen endlich Namen, werden Mensch, werden Person, sind berührendes Schicksal. Sie sind es, die mehr und mehr zum Inhalt meiner Tätigkeit werden und nicht mehr das Sichern meines eigenen Hierbleibens an dieser „Grenzstation“ mit dem dunklen Schlagbaum.
So lerne ich sie endlich kennen, die Körper, denen ich schon so nahe gekommen bin. Daruni ist eine davon. Sie spricht nur Thai, und vor allem ... sie ist eine, die überhaupt spricht. So organisiere ich einen Übersetzer und ich verstehe ihre schreckliche Geschichte. Sie war achtzehn als sie ihren ersten Freund hatte. Sunti war siebenundzwanzig und sie hatte ihm vertraut, sie war verliebt. Dennoch war sie vorsichtig mit allem und so zögerte sie lange und ging noch nicht mit ihm ins Bett. Er lud sie ein zu sich nach Hause. Schliesslich wollte sie auch seine Eltern kennenlernen. Der Besuch änderte ihr Leben. Änderte alles. Sie erzählt mir was war, doch Sie erspart mir Details und die wenigen, die ich bekomme, möchte ich anderen ersparen:
Sie begrüßen sich herzlich, sie lachen zusammen, sie schauen Familienfotos, Sunti ist stolz, sie vorzustellen, Suntis Schwester mag Daruni sofort, Suntis Mutter kocht phantastisch, Suntis Vater vergewaltigt sie, Sunti hilft ihm dabei, hält sie fest. Suntis Mutter schliesst die Tür, lässt es geschehen. Suntis Vater ist HIV positiv. Er weiss es, er tut es dennoch. ER TUT ES DENNOCH!!! Weshalb? Warum nur?
Für mich so unbegreiflich … Ich sehe Daruni hier im AIDS Hospiz vor mir liegen, ich sehe was dieser Mann diesem Leben angetan hat. So ganz ohne Grund, so ganz ohne Recht, so ganz ohne Moral, so ganz ohne Werte, so ganz ohne Denken … einfach so ganz ohne allem, was das Menschsein ausmacht. Eben so ganz ohne Menschsein. Ich merke wie Wut meinem Entsetzen folgen will. Habe mittlerweile gelernt sie schnell wieder fallen zu lassen … Wut würde nichts bringen. Sie kann in dem Fall kein Antreiber sein zu etwas, denn meine Rolle hier ist Zuhörer, nicht Richter, nicht Anwalt, nicht Polizist … nur Zuhörer, nicht einmal Tröster kann meine Rolle sein, denn ein wirklicher Trost wirkt hier nur in einer Tiefe, die mir die Zeit und mein Vertrautsein mit ihr hier nicht ermöglicht. Ich nehme Daruni noch einmal lange in den Arm frage sie, was ihr Name bedeutet. Sie sagt … „Jungfrau“. Welch Zynismus. Etwas benommen beende ich auch den vierten Tag als Volonteer hier im Wat Phrabat Nampu.
Fünfter und letzter Tag hier. Sonntag. Der ist immer etwas Besonderes hier. Ich habe den Eindruck halb Thailand, will sich über HIV informieren und den Patienten hier das Warten erleichtern. Elf Uhr, sieben grosse Reisebusse stehen vor der Anlage, zig Autos parken rundherum. Fahrzeuge, die mehr als 1.500 Menschen hierhergefahren haben. Schulklassen … nein ganze Schulen werden hier durchgeschleust. Geordnet marschieren sie durch das Life Museum an den Leichen vorbei und schauen sich auch Banyat genau an. Souveniershops, Supermarkt und Geldautomat haben heute ihren Zweck. Ein Altar wird bestückt mit Gaben für Buddha. Schweinsköpfe, Hühner, Enten, Zigarren, Früchte, Süssigkeiten, Bier … kein Genuss fehlt auf dem Tisch. Spendenboxen an jeder Ecke, selbst ein eigenes Büro für Spender gibt es. Daueraufträge, Banküberweisungen, Patenschaften … alles wird dort arrangiert. Etwas heftiger ist die Führung durch den Krankensaal. Über 1.000 Schüler werden dort hindurchgeströmt. Daruni beachtet sie schon gar nicht mehr, sieht sie schon gar nicht mehr. Sie weiss, dass ist notwendig, um genuegend Spenden für alles, was sie am Leben erhält, zu bekommen. Auch weiss sie, dass sie dadurch zur AIDS-Aufklaerung in ihrem Land beiträgt. Mir kommt das ganze vor, wie ein riesiger Zoo … ein notwendiger Zoo, denn so wird Sonntag für Sonntag das Überleben des Hospizes gesichert.
Es ist fast fünf Uhr, Zeit Abschied zu nehmen. Abschied von „meinen“ Patienten. Es ist ein Abschied anderer Qualität als die vielen Abschiede, die ich von Freunden bereits auf dieser Reise hatte. Es schwingt bei den Abschiedsworten nicht mehr der Gedanke, die Möglichkeit oder gar die Hoffnung mit, sich wo auch immer in der Welt einmal wiederzusehen. Diese Abschiede haben etwas so Endgültiges, so absolut Letztmaliges. Du wirst ihn nicht wiedersehen, denn bald wird es ihn nicht mehr geben. Und damit bekommt dieser Abschied noch eine andere, etwas bitterere Note. Er hat etwas von zurücklassen, alleinelassen. Ich folge bald wieder mit Lebensfreude meiner Reiseroute, doch sie müssen ihre schweren, letzten Meter auf ihrem verkürzten Lebensweg gehen. Schwer deswegen, weil die meisten von ihnen noch nicht mit dem Leben abgeschlossen haben, sind noch jung, haben doch noch so viel vor, wurden herausgerissen, herausvergewaltigt, heraustransfusioniert, herausinjiziert… was auch immer die Ursache für ihr HIV ist.
Viele Abschiede habe ich auf der Reise schon gehabt. „Bis bald, wo auch immer in der Welt“ oder „Enjoy your life“ oder „Hope to see you in somewhere again…“ waren oft meine Abschiedsworte … doch all diese sind hier unangebracht, bleiben im Hals stecken …und so ist oft auf beiden Seiten nur ein wissendes Schweigen, schmerzende Wortlosigkeit, vergebliche Suche nach etwas Passendem für diesen einmaligen Moment, vielleicht ein „…viel Kraft auf Deinem Weg“, ein Handhalten, ein Lächeln, ein Blick aus purem Mitgefühl, ein Kampf mit Tränen, ein letzter Blick und unendliche Traurigkeit, die meine Brust flutet.
Ich gehe, letztmalig blicke ich in die kranken, abgemergelten Gesichter … viele Lächeln mir zu … ich winke, drehe mich um und lasse sie allein. So ist es, das Leben. So ist er, der Tod. So ist es, wenn sie so eng beieinander sind… wie so oft an dieser Grenzstation.
So … Wat Prabhat Namphu habe ich hinter mir und ich bin an dem Ort, wo “Die Brücke am Kwai” gebaut ist, in Kanchanaburi. Naechste Woche will ich mir doch ein paar schönere Stellen dieser Erde goennen und fahre nach Ko Samui und Phuket an die Traumstraende Thailands.
