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EmotionalsIncredible India

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Von Beginn an war ich sicher, das der Aufbruch zu diese Reise eine sehr richtige Entscheidung ist. Jetzt, sieben Monate spaeter, kann ich das nur bestaetigen und kann nur hoffen, dass es Euch auch so gut geht, wie mir.

Es gab viele so unglaublich schöne aber auch weniger schöne Erlebnisse bisher und jedes Einzelne brennt sich ein in Kopf und Herz und lässt mich bislang keinen einzigen Tag dieser manchmal schon anstrengenden Fahrt bedauern. Keinen.

Jetzt grade stecke in Pokhara ... fest. Ich stecke fest hier in Nepal, da ich auf Ersatzteile warten muss. Eine neue Lampe, Blinker und anderes ist nötig. Hat mich doch eines dieser 125cc Leichtkraftraeder von der Strasse gedrueckt, als es unerwartet einem Schlagloch ausgewichen ist. Passiert ist mir nichts, naja vielleicht eine kleine Prellung im Genitalbereich ... doch das war mehr ein lustiges Farbspiel als das es geschmerzt hat oder gar Folgen haette... Gut so, denn die Krankenhäuser hier sind wirklich ein Genuss, jedenfalls nicht, wenn man keine Kakerlaken, schimmelige Waende, gebrauchte Bettwaesche, rauchende Aerzte etc. im Behandlungszimmer gewohnt ist.

So warte ich hier nun schon seit ueber 10 Tagen, denn die Teile wurden versehentlich mit der normalen Post statt Express versandt (Danke BMW) ... Hauptsache sie kommen ueberhaupt an. Nun gut Pokhara ist traumhaft schön und ich geniesse die Zeit, ... trekke rund um die bekannten 8.000er Berge des Annpurna Gebirges, besuche die wenig prunkvollen Hindu Tempel, in denen mit der Schlachtung von Huehnern und Ziegen die zum Teil elefanten- und affenartig aussehenden Götter, wie Vishnu und Shiva milde gestimmt werden sollen.

So treffe ich dort auch die 26-jährige Genah. Sie hat heute Geburtstag und ein Huhn unter dem Arm. Es gleich zu opfern soll Glück bringen im nächsten Lebensjahr. Ihr Lieblingsgott ist Ganesha und so besucht sie mit dem Huhn zusammen seinen kleinen Nebentempel und zeigt ihm das Tier. Ob das Huhn weiss, warum es mitkomme sollte? Dann gehen wir in ein anderes Gebäude, dort wartet ein langer Säbel... mit der Klinge nach oben an einen Holzpflock gelehnt. Genah übergibt das Huhn an einen freundlich aussehenden Gewandträger. Ich weiss, das das Huhn sich durch Kopfschütteln mit dem Nachfolgenden einverstanden erklären muss. Erst wenn das Huhn den Kopf schüttelt, darf es getötet werden, sonst bringt es kein Glück. Der Gewandträger träufelt etwas Wasser auf den Kopf des Huhnes ... und es schüttelt sich... das hätte es besser nicht getan. 10 Sekunden später hat es nichts mehr zum Schütteln. Der Kopflose, noch zuckende Körper wird in eine Plastiktüte gedrückt und Genah übergeben. Der Kopf bleibt. Er ist das "Trinkgeld" des Schlächters, der die Köpfe am Abend verkaufen wird.

Das opfern einer Ziege hingegen erfordert kein persönliches Einverständnis des Betroffenen durch Kopfschütteln. Doch es gilt als unglückbringend, wenn der Kopf nicht mit einem einzigen Hieb vollständig abgetrennt wird ... "Kein Problem" dachte ich nur mit Blick auf den Riesensäbel, der über mir an der Wand hängt... Etwas spaeter konnte ich mich davon persoenlich ueberzeugen... ist wirklich kein Problem... aber eine ziemliche Sauerei!

Doch auch Anderes wird mich diese Reise nicht vergessen lassen... Oft sind es die unerwarteten Ereignisse die prägend sind... sicher das Taj Mahal ist atemberaubend, ebenso die Felsenstadt in Petra als eines der sieben Weltwunder, Schwimmen im Toten Meer ist eine einmalige Erfahrung... Polizeieskorten durch das Taliban Gebiet in Pakistan sind spannend, nicht weniger aufregend, als in einen Sandsturm in Saudi Arabien zu geraten oder plötzlich ohne Benzin in der Syrischen Wüste zu landen, oder auf fast 5000 Hoehenmetern im pakistanischen Hochgebirge an der chinesischen Grenze verwiesen zu werden, oder von einem kurdischen Türken unter Todesandrohung aus der Stadt geworfen zu werden.... nein, es sind oft andere Dinge, die sich einbrennen...

Ich gehe durch New Delhi ... Bahnhofsviertel... nicht das Beste ... ein Megabasar ... für Einheimische ... ich gehe durch die Gassen ... staune über die Dinge, die es dort zu kaufen gibt, ein Wasserbüffel schlendert mir gemaechlich entgegen ... inmitten der "Fussgängerzone" ja, warum nicht, denke ich, zucke mit den Schultern und nehme mir vor, mich über nichts mehr zu wundern ... nur schauen und die Andersartigkeit des Landes wirken lassen ... und anders wird mir schnell...

Ich drehe mich nach rechts und erstarre ... ein völlig verbrannter Mensch steht vor mir. Sein Gesicht, es hat kaum noch einen Unterkiefer, sein rechtes Augen kann er nicht mehr schliessen, sein Lied sind verkohlt, sein Auge ist trocken und trüb, seine Brust ist verbrannt, an den Stellen, an denen dort die Pigmente seiner dunklen Haut aufgehört haben zu funktionieren ist auf hellem Grund „HELP“ eintätowiert.

Ich erschrecke, ich erstarre und eine Welle an Entsetzen, Mitleid und Wut, das so etwas moeglich ist durchschlägt mich... sekundenlang bin ich gefangen von dem Anblick. Der Mann faltet die Hände vor mir und bittet um Geld. Oft tue ich mich schwer damit Bettlern Geld zu ueberlassen... sonst machst Du den ganzen Tag nichts anderes mehr in Delhi ... doch hier, in der Situation ... geht es nicht anders .... automatisch greife ich in meine Jeans und mit ein paar Hundert Rupies kaufe ich mich frei von diesem Anblick. Irritiert laufe ich zurueck zum Bahnhof ... die Wut darüber, das etwas solches zugelassen wird wächst in mir ...dabei bin ich mir so bewusst, dass ich nur eine winzige Facette des Elends auf dieser Welt gesehen habe und frage mich ... wie wird es erst in den wirklich armen Gebieten sein ... wie wird man, wie werde ICH mit dem Anblick eines wirklichen Elends fertig... Ich weiss es nicht, doch ich will es erfahren... Viele Länder, die noch ausstehen sind ärmer als Indien und werden mir noch die Möglichkeit geben zu sehen ... und auch zu helfen.


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