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EmotionalsWelcome to India

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Ein weiteres grosses Etappenziel auf meiner Reise ist geschafft. Am 24.09.2007 verlasse ich Pakistan und betrete das erste mal in meinem Leben den Boden Indiens. „Welcome to India“ steht in grossen blauen Lettern auf einem Bogen der noch im Grenzbereich ueber die Strasse gespannt ist. Noch ein paar Meter, dann bin ich dort. Ich fahre hindurch, ganz langsam, strahle, geniesse den Moment, die Buchstaben verschwinden ueber mir. Ich bin da, bin stolz darauf, es mit dem Motorrad von Frankfurt nach Indien geschafft zu haben. Balle die Faust in meinen Handschuhen. Ja!

Stolz? Ja, stolz bin ich. Und ich lasse es zu. Ist nicht selbstverstaendlich fuer mich. Frueher hab ich das nicht wirklich gekonnt... es zuzulassen. Auch etwas, was ich auf dieser Reise gelernt habe. „Na, so toll ist das auch nicht, was du da geschafft hast... machen andere auch...“ versuchte mir mein Kopf immer dann einzureden, wenn ich erfolgreich war. Vielleicht, weil fuer mich Stolz etwas leicht Anruechiges hatte. „Sei nicht stolz und damit vielleicht ueberheblich, sei bescheiden, das steht dir besser“ ... war meine Regel im Umgang mit ihm. Doch nein, heute sehe ich es anders. Stolz ist ein intensives, staerkendes, aufbauendes positives Gefuehl... doch privat, innen drin soll es bleiben. Nur der nach Aussen getragene Stolz erscheint mir der, dem das Anruechige, gockelhaft Angeberische anhaftet.

Na, jedenfalls bin ich mal wieder so richtig „privat“ stolz auf mich und meine Leistung und gluecklich in Indien zu sein. Formell zumindest. Habe ja noch nichts von Indien gesehen. Voll soll es sein. Ein grosses Land, ja, aber mit ueber einer Milliarde ? Menschen die irgendwo Platz finden muessen. Ich bin gespannt und biege um eine Kurve ... immer noch im Grenzareal. Da vorn ist ein Tor aus weissen Gitterstaeben. Das letzte bevor wir uns frei in Indien bewegen koennen.

Dahinter schon zwei indsche Gesichter, die uns erspaehen und mit grossen braunen Augen anstarren, waehrend wir das letzte mal unseren Pass der Endkontrolle uebergeben. Ich krame in meinem Tankrucksack, packe den Pass ein, blicke wieder auf, traue meinen Augen kaum. Voll ... hinter dem Tor ist es voll, wimmelt nur so von Indern. Ploetzlich sind sie da. 200 ... 300 Menschen und alle starren sie herueber zu uns. Woher kommen die nur so schnell? Viel Gemurmel, einige zeigen auf uns, auf die Motorraeder, diskutieren, gestikulieren, doch die meisten schauen einfach nur, regungslos. Einer haelt die Hand hoch und macht hektisch eine Bewegung. Fuehrt die Fingerkuppen zusammen und spreizt die Finger wieder. Mehrmals. Der Grenzer neben mir bemerkt das und uebersetzt: „Light, you have light on“ sagt er.

Ja, klar habe ich das. Motorraeder muessen mit Licht fahren, damit sie gesehen werden. In Deutschland. Aber ... nicht so in Indien. Da schaltet man sein Licht aus und wenn es dunkel ist schaltet man es gelegentlich auch wieder ein. Ich weiss nicht wieviel tausende von Malen, ja tausende, ich auf meinem Weg durch Indien auf mein eingeschaltetes Licht hingewiesen worden bin. Dabei ist die BMW-ist ja ein deutsches Motorrad- so gebaut, das man das Licht nicht abschalten kann, wenn der Motor laeuft. Ich weiss nicht, aber irgendwie macht diese Geste das Land fuer mich gleich unsymphatisch. Oft bin ich in die Orte hineingefahren, klappe den Helm auf , lache, winke den Menschen zu und sie antworten: „Eh, du hast das Licht an!“ Habe schon daran gedacht, die Birne herauszuschrauben, es dann aber doch sein gelassen. Ist ja auch sicherer so ... und hier in Indien brauchst du alles im Strassenverkehr, was irgendwie Sicherheit schafft. Denn Indien ist eben voll, voll mit Menschen und damit sind wir wieder bei dem Tor an der Grenze hinter dem sich mittlerweile wohl 400 Menschen versammelt haben und nur darauf warten, dass wir in ihr Land einfahren. Tja, das tun wir dann auch. Grenzer rufen Indisches durch die Gitterstaebe und druecken die Torfluegel nach aussen gegen die muehsam zurueckweichenden Massen. Joe und ich, wir schauen uns an, nicken und sind uns einig: Nur nicht anhalten. Wir nehmen Anlauf und fahren auf den Pulk zu, der auch schnell und bereitwillig eine Fahrgasse bildet durch die wir die dicken Maschinen hindurchlavieren. Geschafft, nur nicht anhalten, Gas ... raus auf die Strassen Indiens. Ein neues Land beginnt.


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